LF01: Erster Satz (DE)

I.

Die europäische Szene wird oft vergleichend beschrieben. Sie gilt als weniger einflussreich, sichtbar oder prägend. Was diese Einordnung übersieht, ist, dass sich in Europa über Jahrzehnte im Hintergrund ein eigenes System entwickelt hat: eine Infrastruktur aus Räumen, Netzwerken und grenzüberschreitenden Strukturen, die es dieser Kultur ermöglichen, zu gedeihen.

Doch Infrastruktur selbst ist keine Identität und selten wird benannt, was dieses System ausmacht, wenn man es nicht an äußeren Referenzpunkten misst. Zu oft bleibt die Diskussion im Vergleich stecken.

II.

Leitmotif geht davon aus, dass diese Identität existiert. Sie mag selten explizit formuliert sein, doch sie ist eingebettet in die Art, wie Künstler:innen arbeiten, wirken und über die Zeit bestehen. Diese Publikation interessiert sich für die innere Logik — nicht nur als Mythologie oder Ästhetik, sondern als arbeitendes System aus Beziehungen und Praktiken.

Das Gespräch dient als primäres Format. Ziel ist die Untersuchung, Charakterisierung und Dokumentation dieses Systems: wie Werke entstehen, wie Künstler:innen-kollektive funktionieren und wie kreative Arbeit unter diesen Bedingungen stattfindet.

Christopher Schmidt mit Giver Christopher Schmidt mit Giver. AZ Köln, 18. Oktober 2024. Foto von Pat Schmidt.

III.

Das erste Gespräch mit Christopher Schmidt (Giver, Between Bodies), das am 20. April 2026 erscheint, ist keine Einführung in eine Szene, sondern ein konkretes Beispiel dafür, wie sie funktioniert. Dabei wird eine Identität sichtbar, die von Kontinuität und Zusammenhalt geprägt ist.

Leitmotif ist bestrebt, diese Identität präziser zu beschreiben und sie mit ihren eigenen Bedingungen ernst zu nehmen. Dabei ist Leitmotif nicht als Periodikum zu verstehen, sondern erscheint dann, wenn Zeit und Umstände es erlauben.

Coda

Arnold Schönberg — Verklärte Nacht, Opus 4, IV. Adagio (Bar 229)